Wann eine Multirolle sinnvoller ist als eine Stationärrolle

Eine Multirolle spielt ihre Stärken dort aus, wo Kraft und direkte Kraftübertragung gefragt sind: beim Schleppen, Pilken, Jiggen auf große Raubfische und beim Angeln vom Boot auf Dorsch, Heilbutt oder Wels. Die Schnurspule sitzt quer zur Rutenachse und dreht sich beim Einholen mit. Dadurch entstehen keine Schnurdrall wie bei der Stationärrolle, und die Kurbel überträgt die Kraft direkt auf die Spule. Wer regelmäßig schwere Köder bewegt oder tiefe Wasserschichten befischt, merkt den Unterschied schon nach wenigen Drills. Für die Rolle brauchst du natürlich auch die passende Rute für Multirollen, denn die Rolle sitzt auf der Oberseite des Rutengriffs.

Wichtig ist die Abgrenzung zur kleinen Schwester, der Baitcaster. Beide sind Multiplikatorrollen mit Querspule, doch die klassische Multirolle ist auf Kraft, Tiefe und Haltbarkeit ausgelegt, die Baitcaster eher auf feines Werfen leichter Köder. Eine robuste Multirolle mit Schnurfassung für 200 bis 300 Meter geflochtene Schnur ist daher die erste Wahl, wenn du auf der Ostsee oder in der Norwegischen See unterwegs bist. Eine solide geflochtene Schnur gehört zwingend dazu, weil sie kaum dehnt und Bisse auch aus großer Tiefe direkt weitergibt.

Größe, Übersetzung und Bremse: worauf es bei der Multirolle ankommt

Bei der Auswahl zählen drei Werte: Spulenkapazität, Getriebeübersetzung und Bremskraft. Die Spulenkapazität bestimmt, wie viel Schnur Platz findet. Wer in 20 bis 40 Metern Wassertiefe pilkt, kommt mit einer kleinen bis mittleren Rolle gut aus. Für Tiefen jenseits der 100 Meter oder beim Schleppen mit Downriggern braucht es eine größere Spule mit mehr Reserve. Eine zu kleine Rolle ist bei einem kapitalen Fisch schnell leergezogen, eine zu große macht die Kombination kopflastig und ermüdet beim Dauereinsatz.

Die Übersetzung gibt an, wie viele Spulenumdrehungen eine Kurbelumdrehung erzeugt. Niedrige Übersetzungen im Bereich von etwa 3:1 bis 4:1 liefern viel Kraft, etwa beim Heilbuttangeln oder Welsangeln. Höhere Übersetzungen sind schneller beim Einholen und eignen sich für Pilken im Flachwasser oder Jiggen, wo du schnell Schnur machen musst. Entscheidend ist die Angabe, wie viele Zentimeter Schnur pro Kurbelumdrehung eingeholt werden, denn die Spulengröße verändert das reale Tempo.

Die Bremse ist das Herzstück. Eine gute Multirolle hat eine Sternbremse oder Kurbelbremse mit sauber ansprechenden Karbonscheiben. Ein glatter, ruckfreier Anlauf ist wichtiger als der Maximalwert. Bei geflochtener Schnur solltest du die Bremse nie auf mehr als etwa ein Drittel der Tragkraft einstellen, sonst bricht der Haken aus oder die Rutenspitze wird überlastet. Beim Wechsel zwischen verschiedenen Ködern lohnt es sich, ein Federwaage zum Angeln mitzuführen, um die Bremse reproduzierbar einzustellen.

Freilauf, Klicker und Schnurführung

Der Freilauf ist praktisch für Schleppangeln und Pilken, weil sich die Schnur kontrolliert abspulen lässt, ohne dass ein Fisch Widerstand spürt. Der Klicker warnt akustisch, sobald Schnur abgezogen wird. Eine Schnurführung, die beim Einholen die Schnur gleichmäßig verteilt, verhindert Wulstbildung auf der Spule und erleichtert das Auswerfen. Fehlt sie, musst du die Schnur mit dem Daumen führen, was bei Kälte und nassen Händen nervig ist.

Multirolle richtig einrichten und befüllen

Das Aufspulen entscheidet über den späteren Einsatz. Die Schnur muss mit leichtem Zug und gleichmäßig auf die Spule gelegt werden, sonst gräbt sie sich im Drill ein und verklemmt. Ein Unterfütterung aus Monofiler mit etwa 100 Metern verhindert, dass die glatte geflochtene Schnur auf der Spule rutscht. Dann folgt die Hauptschnur, bis die Spule etwa zwei bis drei Millimeter unter dem Rand abschließt. Zu viel Schnur führt zu Überläufern, zu wenig kostet Wurfweite und Reserve.

Am Ende der geflochtenen Schnur gehört ein Fluorocarbon-Vorfach, weil Geflecht im klaren Wasser sichtbar ist und bei Abrieb an Felsen schneller reißt. Verbinde die beiden Schnüre mit einem soliden Knoten, etwa dem Albright-Knoten oder dem FG-Knoten, und teste die Verbindung mit kräftigem Zug, bevor du sie zu Wasser lässt. Als Zubehör bieten sich Pilker und Gummifische an, um die Rolle gleich in der Praxis zu testen. Damit die Rolle am Wasser nicht überrascht, lohnt ein kurzer Check der Kurbel auf Spiel und der Bremse auf gleichmäßigen Lauf.

Typische Fehler bei der Multirolle und wie du sie behebst

Der häufigste Anfängerfehler ist die Perücke: Beim Auswerfen läuft die Spule schneller als die Schnur, und es entsteht ein Knäuel. Das passiert vor allem bei zu locker eingestellter Spulenbremse oder bei Gegenwind. Abhilfe schafft eine kräftigere Spulenbremse, bei der der Köder gerade noch langsam nach unten sinkt, wenn du die Spule freigibst. Außerdem hilft es, die Wurfbewegung ruhiger und gleichmäßiger auszuführen.

Ein zweiter Fehler ist die falsche Bremseinstellung. Wer die Bremse zu fest anzieht, riskiert Schnurbruch oder ausgeschlitzte Haken. Wer sie zu locker lässt, verliert Fische an Hindernissen. Prüfe die Bremse vor jedem Einsatz mit einer Waage oder per Hand und achte darauf, dass sie ruckfrei anläuft. Drittens leiden viele Rollen unter Salzwasser: Nach dem Meereseinsatz gehört die Rolle abgespült, getrocknet und an beweglichen Teilen sparsam geölt. Ohne Pflege korrodieren Lager, und die Kurbel läuft rau. Ein passendes Rollenöl und ein weiches Tuch genügen dafür.

Viertens: Viele Einsteiger kombinieren die Rolle mit einer ungeeigneten Rute. Eine zu weiche Rute lässt sich nicht gegen die Rolle stützen, eine zu harte überträgt jeden Ruck direkt auf die Schnur. Achte auf das angegebene Wurfgewicht und die Aktion der Rute und passe die Rolle an die Köder an, die du tatsächlich fischst.